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Sehr geehrter Herr Ministerpräsident!
Sehr geehrte Damen und Herren!
Liebe Gäste!
Lieber Ben!
Lieber Lars!
Im Jahre 1690 präsentierte der Philosoph John Locke der englischen Öffentlichkeit Überlegungen zur Natur, zur Arbeit und zur Frage des Eigentums, die einigermaßen überraschend sind: „Obwohl die Erde und alle niederen Lebewesen allen Menschen gemeinsam gehören, so hat doch jeder Mensch ein Eigentum an seiner eigenen Person. Auf diese hat niemand ein Recht als nur er allein. Die Arbeit seines Körpers und das Werk seiner Hände sind, so können wir sagen, im eigentlichen Sinne sein Eigentum."
Was immer er also dem Zustand entrückt, den die Natur vorgesehen hat und in dem es sie belassen hat, hat er mit seiner Arbeit gemischt und ihm etwas Eigenes hinzugefügt und hat es so zu seinem Eigentum gemacht.“ Locke legte den Grundstein zu einer Auseinandersetzung, die auch heute noch bewegt und polarisiert: wem gehört eigentlich aus welchen Gründen etwas? Können wir zum Beispiel den Genuss und die Schönheit einer Park-Landschaft mit ihren Skulpturen einfach so besitzen? Gemeinsam? Besitzen?
John Locke würde wahrscheinlich sagen nein! Völlig unabhängig davon, ob wir etwas gekauft haben, wir besitzen es erst im eigentlichen Sinne, es wird unser Eigentum, wenn wir ihm etwas Eigenes beimischen.
Ben Siebenrock hat seit 1985 seit dem Beginn seiner Arbeit mit Findlingen in einer wahren Recherche Patiente, einer sehr, sehr geduldigen Recherche, der Natur Schleswig-Holsteins, unentwegt Material entnommen und es „mit seiner Arbeit gemischt“. Arbeit, künstlerische Arbeit bedeutet in diesem Zusammenhang neben der direkten handwerklichen Bearbeitung des Materials auch: das Beobachten und Beurteilen, das Auswählen und das Einordnen und Zusammenstellen. Aus dieser Arbeit am und mit dem Material entstand und entsteht „Eigenes“. Die Arbeit Ben Siebenrocks geht in viele Richtungen: sie kann Geschichten erzählen, ironische und komische, exzentrische und nicht immer verständliche, sie kann sehr abstrakt und ruhig das Material mit dem Licht verbinden und zum Leuchten bringen. Sie berührt uns physisch, haptisch, sinnlich und sie verknüpft uns durch archaische Zeichen im Material mit unseren weit zurück liegenden Vergangenheiten.
Sie erinnert so daran, dass die Vergangenheit zu ignorieren, bedeutet die Zukunft aufzukündigen, wie es Robert Harrison in kürzlich vorgestellten Überlegungen zur Zukunft und Vergangenheit von Gärten und dem Gärtnern als Auftrag zur konkreten Arbeit einerseits und als Bild für das universale Menschsein andererseits festhielt. Park-Anlagen, Gärten erfordern wie die Kunst, wie die Bewirtschaftung eines Kieswerkes, wie Politik und Gesellschaft Geduld, Einsatz, Hingabe, Engagement, kurz Arbeit.
Wenn der Steinpark Warder nun der Öffentlichkeit übergeben wird, so ist dies der Arbeit von Vielen zu verdanken, insbesondere aber natürlich der langjährigen Zusammenarbeit von Lars Glindemann, der den Park zur Verfügung stellte und Ben Siebenrock, dessen Skulpturen den Park bespielen. Sie besetzen den Park, sie lagern in ihm. Und die Skulpturen sprechen mit dem Park darüber, dass der Wunsch der Menschen nach Verwandlung von Natur in Landschaft und von Landschaft in Kunst weit in die Vergangenheit zurückreicht und durch alle Moden hindurch in die Zukunft weist.
Damit es aber zu der programmatischen Begegnung von Skulptur und Landschaft zu einem Gesamtkunstwerk überhaupt kommen kann, sind Sie verehrtes Publikum notwendig.
Sie können die Überraschung, die Freude, die Aktivität, die dieser Park und seine Skulpturen versprechen, erst dann ‚besitzen’, wenn Sie etwas Eigenes beigegeben haben: ihr Interesse, Ihre Aufmerksamkeit, Ihre Freude und Präsenz und Ihren Glauben daran, dass das Beste, wie es der Gärtner sagt, vor uns liegt, deshalb sprechen wir von Lichtblicken und deshalb brauchen wir „Lichtblicke“, wie diese Skulptur von Ben Siebenrock.
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